Unser Reisemobil

Vorneweg, unser Reisemobil wurde ein Mercedes Sprinter 212 D Baujahr 1996 mit 250.000 Kilometern. Knapp 5,60 Meter  lang und gut 1,90 Meter breit und mit einem nachträglich eingebauten Reimo-Hochdach. Dadurch ist er 3 Meter hoch. Bis auf die Elektrik und die Markise war er schon fix und fertig ausgebaut, was unseren eher kurzfristigen Plänen sehr entgegenkam.
Eine ganze Weile haben wir über einen Allrad-LKW nachgedacht. Wir hatten wir einen Steyr 12M18 oder einen Magirus mit kurzer Doppelkabine im Auge. Davon abgehalten haben uns verschiedene Aspekte, bei ersterem wäre es schwierig gewesen vier Sitzplätze unterzukriegen, dann der Spritverbrauch. Für‘ s Wildcampen haben wir uns die Auffälligkeit problematisch vorgestellt. Vor kurzem haben wir aber eine Familie mit Allrad-LKW kennengelernt, die das nicht bestätigen konnte. Dass die Kabinen so hoch oben sind, fanden wir für unsere beiden kleinen Kinder und unseren Hund sehr unpraktisch , was aber eben genannte Familie etwas relativierte, da man entsprechend in Ländern, in denen die Menschen etwas kontaktfreudiger sind, durch die Bodenferne mehr Privatssphäre hat. Ein gutes Argument fand ich. Verlockend war natürlich die Geländegängigkeit.

Klassische Wohnmobile kamen nicht in Frage, weil wir dachten, dass wir Vieles von der typischen Einrichtung gar nicht brauchen würden, Anderes wie z.B. zwei feste Betten aber gerne hätten. Außerdem wähnten wir uns unauffälliger in einem Bus als in einem Wohnmobil. Da unser Bus aber alles andere als unauffällig wurde mit seinem Hochdach und seiner an die CNT erinnernden Lackierung hat sich dieser Aspekt erübrigt. Es gibt außerdem viele Wohnmobilstellplätze, auf denen man nur eine begrenzte Anzahl von Tagen stehen darf und da ist ein weißes Wohnmobil, dass aussieht wie alle anderen weißen Wohnmobile von Vorteil.
Einen Wohnwagen wollten wir nicht, weil wir gerne wendiger sein wollten. Auf Wohnmobilstellplätzen, die man in kleineren Orten oft kostenlos oder günstig nutzen kann, sind Wohnwägen übrigens meistens verboten. Ein echter Vorteil ist natürlich, dass man ihn abhängen und mit dem Auto einkaufen oder mal Strecken fahren kann, die auch mit Wohnmobil nicht zu empfehlen sind.
Spannend hätten wir auch einen PickUp mit Kabine gefunden, aber als Viersitzer und mit entsprechend vielen Betten ist das eher schwer zu finden und vor allem zu bezahlen.

Wirklich fein an unserm Bus ist:

  • Die Markise. Sie läßt sich innerhalb von 2 Minuten auch allein auskurbeln und man kann sie in Halterungen direkt am Bus einhaken, so dass man nicht abspannen muss. Man hat ein bißchen Schatten und Regenschutz, zumindest am Campingplatz oder an wirklich einsamen Fleckchen. Beim Wildcampen kurbeln wir sie so gut wie nie aus.
  • Der Drehsitz. Er macht den Innenraum viel größer, am liebsten hätte ich den Fahrersitz auch als Drehsitz, aber da stört bei uns der Schrank.
  • Spüle mit fließend Wasser. Die wollte ich erst ausbauen, jetzt würde ich nicht mehr darauf verzichten wollen.
  • Betten, die man nicht erst aufbauen muss. Man muss abends oder für den Mittagsschlaf nicht erst irgendwelche Tische abräumen und umbauen, sondern kann sich einfach reinlegen. Das untere Bett dient außerdem als Spielfläche für die Kinder, das eignet sich wesentlich besser als der kühle Fußboden.
  • Der Verbrauch. Mit 9,5 Liter sind wir eigentlich ganz zufrieden.
  • Das Hochdach. Auch wenn man groß ist, kann man gut stehen und hat noch Luft nach oben und das ist ein prima Wohngefühl.
  • Parken mit Rückfahrkamera ist fantastisch einfach.
  • 5,60 Meter Länge. Man passt noch auf normale Parkplätze. Sie sind zwar meist ein Stück zu kurz aber es reicht fast immer noch aus.
  • Das Dachfenster ist sehr nett. Schlafen mit Frischluft und Aufwachen mit Meerblick.
  • Kühlschrank haben wir nicht und er hat sich als tatsächlich nicht notwendig herausgestellt, obwohl wir uns hauptsächlich in wärmeren Gebieten aufhalten.
  • Die Karosserie ist vermutlich verzinkt. Man sagte uns, das das bis zur Sommerpause des Baujahres 1996 noch gemacht wurde und danach nicht mehr, was bei jüngeren Fahrzeugen zu erheblichen Rostproblemen geführt haben soll.

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Leichte Mängel:

  • Eine wirklich dichte Verdunklung rundum würde sich besser anfühlen.
  • Die Heizung. Da unsere Kinder sich nachts freistrampeln ist unsere Wohlfühl-Außentemperaturgrenze bei etwa 10°, was uns teilweise bezüglich der Reiseroute etwas eingeschränkt hat. Für den Notfall haben wir zwar einen elektrischen Heizlüfter, aber das geht dann nur auf Campingplätzen oder Stellplätzen und auch nur wenn die hoch genug abgesichert sind, ich glaube es braucht etwa 6 Ampere.
  • Am Spielbett aufrecht sitzen können wäre viel gemütlicher, das läßt sich bei uns leider nur sehr aufwendig ändern.
  • Eine Kochgelegenheit, die man während der Fahrt drinnen belassen kann, die aber trotzdem leicht rauszunehmen ist um auch mal draußen Kochen zu können. Wir haben eine Zweiflammengaskochplatte, die samt Flasche während der Fahrt im Kofferraum verstaut ist.
  • Ausreichende Zuladung. Das war unser Anfängerfehler bei der Suche. Wir haben zu wenig erlaubte Zuladung und der Bus ließ sich leider auch nicht auflasten.
  • Die Kofferraumordnung ist noch im Werden. Bislang ist es noch etwas nervig, weil es oft Dinge gibt, für die man den halben Kofferraum ausräumen muss um dran zu kommen. Aber demnächst steht die nächste Runde Aussortieren an und danach sollte sich das erledigt haben.
  • Blitzschutz. Erst irgendwann ging uns auf, dass wir durch unser Plastikhochdach gar keinen faradayschen Käfig mehr haben.
  • Fehlende Geländegängigkeit. Ich hätte mich mit einem geländetauglicheren Fahrzeug in Dänemark am Strand und auch auf dem Weg zur Alm in der Schweiz wohler gefühlt, aber wir haben noch auf keine Touren verzichten müssen bisher.
  • Fliegengitter. So ein rundum Mückenschutz ist was unheimlich Praktisches, wenn es sehr warm ist und man abends vorm Schlafen das Auto gern auf Wohlfühltemperatur abkühlen möchte.
  • Die 3 Meter Höhe. Es gibt zwei Gelegenheiten bei denen die Höhe nicht so fein ist, das eine ist fahren bei Wind und das andere ist, dass man generell keine Parkhäuser anfahren kann und auch einige Supermarkt- und Strandparkplätze eine Höhenbeschränkung haben. Außerdem haben wir gehört, dass Fähren teilweise niedriger sind, was noch zu recherchieren wäre.
  • Europlakette. Wir haben keine grüne Plakette. Ist für uns nicht so das Thema, weil wir keine Städtefans sind.

Fazit:

Wenn man wie wir viele Kilometer fährt und die Touren keine extreme Geländegängigkeit verlangen, ist man mit einem Nicht-Off-Roader was den Verbrauch angeht wesentlich günstiger unterwegs. Der Aspekt Auffälligkeit ist relativ egal. Die Zuladung und die Höhe unter Umständen nicht und auf eine Heizung würde ich nicht noch mal verzichten.


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