Oliven – Eindrücke aus Aragon und Andalusien

Die kleinen Haine mit Olivenbäumen, die wir ab und zu in Aragon gesehen haben, muteten mir sehr idyllisch an. Kleine grüne Oasen in dieser gelb-orange-roten Steppenlandschaft, die vereinzelt durchbrochen ist von ein paar bereits abgeernteten Äckern und den Überresten eines alten Steingebäudes. Die Kargheit dieser Landschaft strahlt eine faszinierende Ruhe aus und ist wunderschön.

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Einmal fanden wir einen Übernachtungsplatz auf einer Anhöhe unterhalb eines großen Wasserbeckens. Der Schäfer, der am nächsten Morgen auf einen Plausch vorbeikam, geht jeden Tag mit seinen Schafen, einer Hand voll Ziegen und seinen Hunden dort seine Runde. Vier völlig verzottelte Hunde. Auch sonst sahen sie aus wie vierte Generation Promenadenmischling. Ich war überrascht, weil ich dachte, dass alle Schäfer spezielle Schäfer-Hunderassen für ihre Arbeit verwenden. Noch überraschter war ich als er erklärte, dass sie ebendies sind. Die einen waren belgische, die anderen französische Hütehunde. Viel zu Essen können die Schafe und Ziegen dort nicht finden, vereinzelt ein paar Grashalme, viel stachliges Gestrüpp und jede Menge Tymian, der unseren Übernachtungsplatz mit einem ganz speziellen Duft erfüllte. Sonst nur steinige Erde. Er versprach uns mehr Grün in Andalusien.

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Ich weiß nicht, ob er das damit gemeint hat, aber mehr Grün hat es hier, das stimmt. Mehr Olivenbäume. Eigentlich nur Olivenbäume. Was ich in Aragon noch idyllisch fand, mutet hier monströs an. Ich habe noch nie eine Monokultur von einem solchen Ausmaß gesehen. Wir fahren nun sicher schon seit einer halben Stunde auf einer Schnellstraße in Richtung Jaén und um uns herum soweit das Auge reicht ist nichts zu sehen als Olivenbäume. In Reih und Glied. Ab und zu ein komplett gerodeter Hügel, auf dem auch wieder in Reih und Glied die nächste Generation Olivenbäume in kleinen weißen Plastikzylindern steht.

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Einen Übernachtungsplatz zu finden scheint hier schwierig. Es gibt zwar kleine Wege, die von der Schnellstraße abgehen, aber sie münden ausnahmslos in die Plantagen. Kurz bevor das letzte Tageslicht verschwunden ist, finden wir einen Platz in einer Zufahrt zu einem verlassenen Fabrikgebäude. Am nächsten Morgen schauen wir uns um. Der ganze Boden ist gespickt mit Scherben aus den eingeschlagenen Fenstern und kleinen weißen Plastikkugeln, die vermutlich vom Paintball spielen stammen. In den ziemlich verfallenen Gebäuden hängen Zielscheiben an den von Graffitis geschmückten Wänden. Unweit der Fabrik eine kleine Bahnhaltestelle. Aber kein Dorf dazu. Ein seltsamer Ort inmitten der Plantagen.

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