La Cala del Moral

Ein paar Minuten nördlich von Málaga entdecken wir in „La Cala del Moral“ einen Parkplatz, auf dem bereits einige Wohnmobile stehen. Wir stellen uns dazu und bleiben einige Tage dort. Direkt vor dem Parkplatz steht ein Klohäuschen, das täglich geputzt wird und dahinter kommt die Strandpromenade mit Palmen, in denen Cotorras nisten, Mönchssittiche, eigentlich cotorra monje. Sie sehen so ähnlich aus, wie grüne Wellensittiche, haben aber keine schwarzen „Wellen“, dafür einen kurzen, dicken Schnabel und ich meine, sie sind ein gutes Stück größer als Wellensitiche. Sie fliegen in kleinen Schwärmen umher und sind tatsächlich ziemlich geschwätzig. „Cotorra“, das spanische Wort für Sittich heißt auch so etwas, wie „Quasselstrippe“. Sie kommen ursprünglich aus Südamerika und laut Iván, den wir einige Tage später treffen, leben sie seit etwa 10 Jahren in Málaga; laut Wikipedia nicht nur in Süd-Spanien, sondern auch in anderen Ländern im Westen Europas.

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Es ist ein feiner Platz für uns. Auf dem Sandstrand direkt beim Parkplatz gibt es auch einen kleinen Spielplatz und der nächste Supermarkt ist nicht weit. Am Strand haben wir eine Taube gefüttert und irgendwie hat sie herausgefunden, wo wir wohnen und hat die übrigen Tage dann vor unserem „Furgo“ verbracht, wie man hier zum Wohnen ausgebaute VW-Busse etc. nennt („Furgoneta“ heißt Kleintransporter).

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Am dritten Tag stellt sich ein Wohnmobil mit niederländischem Kennzeichen neben uns. Im Laufe des Tages spricht mich die Frau auf ein Papier an, das wir uns nach dem Schulfrei-Festival im September in die Scheibe geklebt haben.

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Die Frau ist wohl so Ende 50 und nachdem wir ein wenig über Unschooling und andere Themen geplaudert haben, erzählt sie mir, dass ihr Mann in die Niederlanden den Kriegsdienst verweigert habe. Zivildienst gab es damals dort noch nicht, also saß der Mann 3 Jahre im Knast und musste in einer Psychiatrie arbeiten und andernorts Gräben ausheben. Und vermutlich kann er noch froh sein, dass sie ihm Zwangsarbeit aufgedrückt haben. Drei Jahre! Das hört sich immer so locker an, weil man Gefängnisstrafen in Jahren angibt und dann sind es eben hohe oder niedrige Zahlen. Aber seit ich das Buch „Die Kunst Widerstand zu leisten“ des Künstlers und Tierschutz-Aktivisten Chris Moser gelesen habe, der mit 9 anderen Menschen im Rahmen einer großangelegten Repressions-Maßnahme gegen die österreichische Tierschutz-Bewegung 3 Monate in U-Haft saß, sehe ich das anders. Er beschreibt in diesem Buch dort jeden Tag im Knast, jeden einzelnen. Und das Ausgeliefert sein und seine Ängste, dass seine zum Teil noch kleinen Kinder den Bezug zu ihm verlieren könnten. Was habe ich in den letzten 3 Jahren meines Lebens alles gemacht?

Als wir am nächsten Tag vom Einkaufen zurück kommen, erzählt uns die Frau, dass an diesem Morgen die Polizei da gewesen war und alle Camper aufgefordert hat, bis zum nächsten Morgen den Platz zu verlassen. Die Nacht dürfe man noch hier bleiben aber morgen Vormittag würden sie wiederkommen und dann müssten alle weg sein. Ein merkwürdiges Gefühl am nächsten Morgen andere Camper zu treffen, die am Klohäuschen noch schnell ihr Abwasser entsorgen.

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