Kroatien
Kristallklares Wasser
und unsere erste Panne

Seit fast anderthalb Jahren trägt uns unser Mobil nun quer durch Europa und hat noch nie Zicken gemacht. Etwa eine halbe Stunde nachdem ich das dachte, leuchtete auch schon das Warnlicht für die Bremsen. Wir fuhren gerade eine Straße entlang der kroatischen Küste bei Zadar, wunderschön und kurvenreich.

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Es war spät am Nachmittag, goss aus Kübeln und wir waren unheimlich froh über unsere ÖAMTC-Mitgliedschaft und den Pannenservice. „Wo stehen sie genau?“ Die Frau am anderen Ende der Leitung zoomte sich durch googlemaps. „Nein, in diesem Ort gibt es keine Straßennamen.“ „Im streetview ist ein Schild zu sehen. Da steht irgendwas mit Grill.“ Bastian musste also doch raus in den Regen und das Schild finden. „Nein, ich kann jetzt nichts mit Dir basteln, ja, ich wasche Dir gleich einen Apfel. Ja, ich bin noch dran. Die Tastaturtöne ausschalten, ich piepse dauernd, ja, Moment, ich versuche es.“ „Da hinten ist das Grillschild.“
Eine halbe Stunde später bog der Abschleppwagen auf den Parkplatz ein. Die Bremsen wären abgefahren. Aber aufladen könnte er uns bei dem Wind nicht, wir sollten langsam hinter ihm herfahren. Außerdem würde bei Mercedes heute keiner mehr arbeiten. Er könnte uns zu sich nach Hause bringen, er hätte Zimmer und der ÖAMTC würde die Übernachtung ohnehin bezahlen. Geschäftstüchtig, neben einem Abschleppdienst auch Fremdenzimmer anzubieten, dachte ich. Auf der folgenden mir endlos erscheinenden Fahrt war unser älterer Sohn ziemlich enttäuscht und ich ziemlich angespannt.
Gerade angekommen machte uns unser Pannenhelfer den Vorschlag, dass wir das Wohnmobil am folgenden Tag auch in eine kleine und günstigere Werkstatt bringen könnten. Vor unserem inneren Auge blinkte rot das Wort “Abzocke“ und der Satz “Bringen sie Ihren Wagen im Ausland immer zu einem Vertragspartner“ und kleingedruckt „Und zahlen sie das Dreifache.“ Wir entschieden uns todesmutig für die Abzocke beziehungsweise gegen das Kleingedruckte. Am nächsten Tag erklärte uns unser Pannenhelfer, er könnte uns keine Rechnung für das Zimmer schreiben, er könnte nur abschleppen. Prima, dachten wir, soviel zum Thema der ÖAMTC zahlt das Zimmer sowieso. Dann ging es durch enge Gässchen in eine Hinterhofwerkstatt.

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Und das Ende der Geschichte: „Mit den Bremsen könnt Ihr noch 2–3 Tausend Kilometer fahren, da hat nur der Sensor einen Wackler.“ Die Auskunft des Mechanikers war kostenlos, die Bremsflüssigkeit, die er uns nachgefüllt hat ebenfalls. Eine Rechnung für das Zimmer haben wir auch bekommen. Was er uns zu sagen versucht hatte, wir aber vor lauter Misstrauen nicht verstanden haben, war, dass er den Computer nicht bedienen kann. Sein Sohn, den er dann vom Fußballtraining abkommandierte, konnte das aber sehr wohl. Und für die Übernachtung wollte der gute Mann gerade mal dreizig Euro. Nein, nicht pro Person.
Ich fürchte wir sind immer noch schrecklich deutsch.

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Ein Gedanke zu “Kroatien
Kristallklares Wasser
und unsere erste Panne

  1. Das liest sich prima! Wie schön, Euch vier, wenn auch nur kurz, bei Thessaloniki getroffen zu haben! Alles Gute und liebe Grüße von Michi, Lina und Christiane aus Kroatien – hoffentlich bleiben unsere Bremsen heil ;-)
    rockyaufreisen.de

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