Fünfmal aufwachen
in Norwegen

Es ist 22:40 Uhr und langsam bricht die Nacht herein. Als wir vor etwa einem Monat in Norwegen ankamen, konnte man um Mitternacht in der ganz besonderen Stimmung dieses Dämmerlichtes noch wandern gehen. Heute Abend haben wir Trondheim verlassen. Von jetzt an geht es in Richtung Süden für uns und die Nächte werden wieder dunkler und länger. Wir werden die Route entlang der Küste nehmen. Entlang der vielen Fjorde und zur Freude unserer Kinder mit vielen Fährverbindungen.

Das Autofahren ist nicht ganz billig in Norwegen. Fähren lassen sich entlang der Küste kaum vermeiden und für viele Straßen und einige der unzähligen Tunnel muss man Maut bezahlen. In Trondheim und der näheren Umgebung stößt man alle paar Kilometer auf so eine „Autopass“-stelle. Das Passieren kostet dann meist zwischen 9 und 11 Kronen, das sind etwa 0,90 bzw. 1,10 Euro. Ich hatte erwartet, dass für die Bewohner Sonderkonditionen gelten. Aber dem ist nicht so. Das erzählte uns Rune, ein Norweger, bei dem wir zwei Tage zu Gast waren. Und es schien ihn auch gar nicht zu ärgern. Es ist ganz normal, dass man, um sein Kind zum Fußball zu bringen, einkaufen zu fahren oder um jemanden vom Bahnhof abzuholen, zahlt. Wieder mal ein netter Ansatzpunkt zum Weiterdenken. Menschen können unter den absurdesten Bedingungen „gehalten werden“, so lange sie es für normal halten. Rune erzählte auch von seiner Südtirolreise in diesem Sommer. Ihm war aufgefallen, dass die Menschen in Deutschland und Österreich ihn anstarren als sei er ein Verbrecher, wenn er irgendwo zeltet. Das ist für uns normal. Wildcampen ist verboten. Es regt mich nicht auf. „In Norwegen“, erzählt er uns, „geht man einen Bogen, wenn man irgendwo ein Zelt sieht. Man möchte die Privatsphäre der Bewohner nicht stören. Und man wünscht den Betreffenden eine schöne Zeit, sollte man sie antreffen.“ Und offensichtlich ist das kein Problem. Die Natur ist weder zugemüllt, noch konnte ich sonst irgendwelche Schwierigkeiten bezüglich dieses Nichtverbotes erkennen. Im Gegenteil: von der Stadttussi bis zur Familie mit Baby, alle Welt scheint hier wochenends in die Berge zum Zelten aufzubrechen. Für die nötige Infrastruktur ist auch gesorgt. Es gibt zum Beispiel überall große Mülltonnen und saubere Toiletten. In Deutschland kann ich entweder um den Hausberg meines Wohnortes wandern oder  viel Geld in die Hand nehmen und teuer eine Übernachtung buchen, wenn ich mal was Anderes sehen will oder aber ich zelte illegal, lasse mich anschauen wie einen Verbrecher, hoffe ohne Geldbuße davon zu kommen und stopfe meinen Müll heimlich in Mülleimer, deren Designer den ganz speziellen Auftrag hatte, die Öffnung so klein zu machen, dass auch ganz sicher keine Müllbeutel von Campern hineinpassen. Da wundert es wenig, dass die Menschen lieber fernsehen, wenn ihnen der Aufenthalt in der Natur quasi verboten wird.

Und hier nun noch ein kleiner Eindruck davon, wo man überall ganz legal aufwachen kann in diesem schönen Land.

P1050196

P1040983

P1050090

P1050249

P1050213

 


Verwandte Beiträge:

Eindrücke aus Norwegen – Gletscher, Fjell und ganz viel Wasser

2 Gedanken zu “Fünfmal aufwachen
in Norwegen

  1. Hey liebe Yvonne, lieber Bastian,

    ich schau ab und an mal rein auf euerm Blog und hab mich grade sehr gefreut euch in Norwegen zu sehen. Wunderschön!! Auch sehr schön mitzubekommen, wo ihr euch grade rumtreibt.

    Nächstes Jahr, wenn Kind 3 da ist, dürfen wir auch mal wieder ein paar Monate reisen, denke es wird Richtungen Schweden/Norwegen gehen. Also bitte alle Geheimtipps niederschreiben.

    Joah denkt übrigens jedes Mal wenn wir am Waschsalon vorbei fahren an euch ;-)

    Liebe Grüße vom ganzen Clan.
    Dominik

  2. Hey ihr Lieben, hab grad an euch gedacht, schön euch in Norwegen zu sehen… echt wunderschöne Landschaft!!!
    Alles Liebe und Grüße von uns. Laura

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.