Es gab viel zu tun

An unseren Wänden hingen ungefähr 140 gelbe Post Its. Das war hilfreich um den Überblick zu behalten, man konnte sie außerdem immer wieder neu priorisieren und hatte die nette Belohnung sie nach Erledigung wegschmeißen zu dürfen. Etwa ein Dutzend von ihnen wanderten allerdings am Ende noch mit in den Bus.

Sehr viel mehr Zeit als gedacht hat die Wohnungsauflösung in Anspruch genommen. Wir hatten uns vorgenommen kein Lager zu behalten. Sprich was nicht mit kam, musste weg. Als erstes galt es also zu entscheiden was kommt mit und wovon müssen wir uns trennen. Unsere Herausforderung dabei war weniger der Platz als die maximal mögliche Zuladung für den Bus einzuhalten. Anfangs haben wir alle Sachen, die wir mitnehmen wollten bananenkistenweise gewogen. Zwei Mal haben wir den Bus komplett eingeladen und auf die Waage gefahren, wieder ausgeladen und weiter aussortiert. Unsere Wohnung war in Bereiche eingeteilt, die „Kommt-Weg-Bereiche“, die „Kommt-Mit-Bereiche“ und die „Noch-Mal-Überlegen-Bereiche“. Unsere Kinder haben diese neue Ordnung öfter einmal unabsichtlich unterminiert. Nach kurzer Zeit hat unser älterer Sohn begonnen Dinge dazuzulegen, die er mitnehmen wollte. Überhaupt war er bei der Wohnungsauflösung mit Begeisterung dabei. Wochenlang hat er am Telefon imaginäre Verkaufsgespräche geführt und uns dann mitgeteilt, dass gleich jemand den Schrank oder Tisch abholen käme.

Da wir erst vor zwei Jahren vom Wohnwagen in die Wohnung gezogen waren und uns sehr spartanisch, besser gesagt pragmatisch, funktional eingerichtet hatten – sprich keine Bilder, keine Lampenschirme, kein Bettgestell, keine Zimmerpflanzen, keine Vorhänge, keine Teppiche etc.- fiel uns das Reduzieren, von einigen wenigen Schätzen mal abgesehen, relativ leicht. Auch wenn es für mich zwischendurch immer wieder Tage gab, an denen ich nicht aussortieren konnte, entweder weil ich mich an diesen Tagen so ziemlich von gar nichts endgültig trennen wollte oder weil ich einfach entscheidungsunfreudig war. Wenn man seit zehn Jahren ein ganzes Haus bewohnt und bestückt, ist das sicher sehr viel schwerer. Wenn man in der Stadt wohnt, könnte es sich anbieten einen Hausflomarkt zu machen oder man versteigert vielleicht kurzerhand das Inventar als Gesamtes.

Wir haben versucht einen kleinen Teil unseres Hab und Guts noch zu bestimmten Summen zu verkaufen. Für die Mehrzahl der Dinge hatten wir eher den Wunsch, dass sie noch weiter genutzt würden.

So haben wir denn Möbel abgestaubt, fotografiert, Inserate geschaltet, gelernt Bilder und Inserate erst zu löschen, wenn der Tisch auch wirklich auf dem Hänger steht und uns vorgenommen in Zukunft vor jeder Anschaffung selbst auch immer erst mal die Kleinanzeigen zu durchforsten. Unsere schokobraune Ikea-Billig-Couch war eines der ersten Stücke, das die Wohnung gegen Geld verließ, während der unkaputtbare alte Vollholztisch und Schrank erst beim dritten „Zu-Verschenken-Inserat“ endlich abgeholt wurde. Die Prioritäten beim Möbelkauf liegen offensichtlich bei der Optik, Aspekte wie Robustheit interessieren erstaunlicherweise auch die meisten Menschen, die gebrauchte Möbel kaufen wenig.

Zweimal haben wir alles gut Tragbare in den Bus geladen und sind auf den Flohmarkt gefahren. Das erste Mal sind wir zu Unzeiten aufgestanden, um um sechs in der Früh dazusein und festzustellen, dass wir viel zu spät sind und es kaum noch einen freien Platz gibt. Das zweite Mal sind wir am Vorabend angereist. Die Schwierigkeit einen freien Platz zu bekommen war damit behoben, nur mit schlafen war nicht viel, weil die ganze Nacht Anreisetrubel war. Eine gute Möglichkeit Dinge loszuwerden, die wir weder wegwerfen noch irgendwie anbieten wollten, war eine „Zu-verschenken-Kiste“. Alles in allem war es nett, wir hatten allerdings auch nicht den Anspruch gut zu verdienen.

Wir haben Freunde und Nachbarn eingeladen zu schauen, was sie gebrauchen können unter der Bedingung jeder solle geben, was für ihn passt, unabhängig vom eigentlichen Wert. Das war für uns die angenehmste Form. Wir haben das auch mit Fremden versucht, z.B. Menschen, die gerade da waren um ein Möbel abzuholen, aber denen schien die Vorgabe sie müssten selbst entscheiden, was sie geben wollen wohl eher suspekt, meistens haben sie die Sachen nicht mal anschauen wollen, und mitgenommen hat nie jemand etwas.

Einige Dinge haben wir verschenkt, weil wir wussten, dass jemand Bestimmtes sie gut brauchen kann.

Und zu guter Letzt haben wir ein Plätzchen auf einem Dachboden angeboten bekommen, sodass unser Vorhaben kein Lager zu behalten untergraben wurde und nun vier Bananenkisten und ein E-Piano auf dem Sepplashof lagern :-) Vielen Dank Mi und Max, dass die letzten Schätze aus den „Noch-Mal-Überlegen-Bereichen“ bei Euch ein Fleckchen gefunden haben.

Die Wohnungsauflösung war einer der besagten 140 Post Its. Glücklicherweise stellten sich nicht alle als so zeitaufwändig heraus.


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Ein Gedanke zu “Es gab viel zu tun

  1. hallo ihr lieben!
    gratulation zu diesem wunderbaren blog! und bezüglich eurer „noch-mal-überlegen“-sachen: es ist uns eine ehre, sie für euch lagern zu dürfen, hehe. und wenn uns mal fad wird, spielen wir einfach auf eurem e-piano ;-)
    auch der herd ist schon in betrieb und wir denken beim kochen öfter an euch :-)
    alles liebe & eine feine zeit, mi & max

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