Buntes Treiben in der Algarve und die Mallos de Riglos in Nordspanien

Seit ein paar Tagen sind wir in Riglos, einem kleinen Dorf am Fuße von wirklich beeindruckenden Felsformationen. Die „Mallos de Riglos“ ragen fast 300 Meter ziemlich senkrecht in die Höhe. Wenn man direkt an der Wand steht, sieht es aus, als würde diese komplett aus einzelnen Steinen bestehen, die lose mit irgendeiner sandigen Erde zusammengekittet sind. Aber, die Steine halten erstaunlich gut. Wir waren mit Freunden hier und konnten so auch ein wenig klettern. Allen voran Jacek. Überall kreisen die Gänsegeier und in dem kleinen vogelkundlichen Besucherzentrum oberhalb des Dorfes kann man mit Kameras in die Nester dieser großen Vögel schauen und zugucken, wie die Jungvögel gefüttert werden. Auch Bartgeier, Schmutzgeier und andere große Greifvögel soll es hier geben. Am Himmel erkannt haben wir jedoch keinen davon.

Klettern mit Freunden
Klettern mit Freunden

Riglos liegt in Nordspanien, wir sind also schon wieder auf dem Weg in den Norden. Die letzten Wochen haben wir in Portugal verbracht, hauptsächlich in der Algarve. Dort sind wir die meiste Zeit an verschiedenen Stränden im Naturpark gestanden – eigentlich immer zusammen mit anderen Nomaden oder Urlaubern. Etwas weiter im Landesinneren waren wir in Korkeichen- oder Eukalyptuswäldern unterwegs oder an wunderschönen Stauseen. Das war alles sehr entspannt. Wir hatten meistens gutes Wetter, oft zu viel Wind, manchmal auch Regen.

 

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Es gibt an den Stränden der Algarve Plätze, an denen viele weiße Wohnmobile mit Satellitenschüsseln stehen, an anderen Plätzen sieht man ein buntes Gemisch aus allen möglichen Reisegefährten. Leute sind zu Fuß unterwegs, mit Rucksack oder Handkarren, andere leben im Auto, die meisten in VW-Bussen, Transportern und kleinen LKW. Eine Schweizer Familie ist mit 20 Stundenkilometern mit einem Gespann aus Traktor und großem Bauwagen hier her gefahren. Seltener als in Tarifa sieht man Allrad-LKW.

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Sicher der größte „Hippie-Strand“ ist der Praia do Barranco. Hier stehen mitunter dutzende Busse, die meisten wohl aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Oft sind viele Kinder da, natürlich auch viele Hunde. Abends gibt es fast immer irgendwo ein Lagerfeuer, manchmal richtige Parties, zum Beispiel wenn jemand Geburtstag hat. Auf dem Parkplatz wird oft gejammt. Manche malen Bilder in ihren Autos, basteln Schmuck oder Flöten. Auf einem großen Stein liegt ein Berg an Klamotten und sonstigem Zeug, was Leute nicht mehr brauchen und zu verschenken haben. Manchmal auch Gemüse, Brot und was immer zuviel „recycelt“ wurde – also aus den Müllkontainern der Lebensmittelkonzerne vor der sinnlosen Vernichtung gerettet wurde.

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Jeden vierten Sonntag im Monat ist Markt in Barão de São João: „Hippie-Flohmarkt“. Gehandelt wird hier aber nicht mit ausrangierten Habseligkeiten herumreisender „Hippies“. Jene landen wohl eher auf besagtem Stein in Barranco. Nein, auf dem Markt in Barão wird vor allem Selbstgemachtes gehandelt: Etwa Postkarten, Tabaksbeutel, Flöten, Anhänger und gestrickte Pulswärmer. Aber natürlich auch Speis und Trank – nicht wenig davon ist vegan und einiges wird gegen einen freien Preis abgegeben. Das Ganze ist nicht offiziell, es gibt keinen Veranstalter und keinen Organisator, kaum einer hat eine Lizenz oder ein Gewerbe und am Ende sieht der Platz wieder genau so sauber aus, wie zuvor. Erzählungen zufolge wurde der Markt vor wenigen Jahren einmal geräumt mit großem Polizeiaufgebot, schwer bewaffnet. Ein Brotverkäufer wurde gezwungen, seine komplette Ware in den Müll zu schmeißen. Darüber hinaus haben sie anscheinend keinen Schaden angerichtet.

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Die zwei mal, in den wir auf dem Markt waren, ist nur einmal ein Auto der „Guarda Nacional Republicana“ über den Platz gefahren, einer paramilitärischen Einheit, vergleichbar mit der Guardia Civil in Spanien. Die Beamten haben freundlich gelächelt. Ich finde das immer ein sehr merkwürdiges Bild. Zum einen sind Polizisten Menschen, die es sich zum Auftrag gemacht haben, auf Weisung anderer Gewalt gegen ihre Mitmenschen auszuüben. Ihr Job ist es, die bestehende Ordnung zu schützen. Und diese ist ja bekanntermaßen alles andere als harmlos oder witzig. Auf der anderen Seite sind es Menschen, die privat sicher ganz nett sind und vermutlich glauben sie tatsächlich eine gute, sinnvolle, notwendige Arbeit zu tun. An dem Tag haben sie jedenfalls ihre Knüppel stecken lassen und haben dem bunten Treiben kein gewaltsames Ende bereitet.

Wirklich viel geht auf dem Markt in Barão nicht über den Ladentisch, denke ich, denn bis auf ein paar Ansässige, sind es ja vor allem die „Hippies“ selbst, die hier als potenzielle Kunden anwesend sind. Und die haben wohl in der Regel selbst nur wenig Geld. Da liegen hier also lauter kleine schöne Dinge herum, die die Menschen liebevoll produziert haben, während in den Einkaufszentren der Städte der Plastik-Schrott die Villen der Reichen fetter und fetter macht. Vielleicht wäre es lustiger (und noch eine ganze Nummer subversiver), dort einen Umsonst-Markt zu initiieren. Blöd, dass mir das jetzt erst kommt. Naja, vielleicht nächstes Jahr.

Bleibt noch die Frage, was denn eigentlich heute noch „Hippies“ sind? Vergesst das einfach. Ich vermute mal, dass sich dort wahrscheinlich kaum einer selbst Hippie nennen würde, wenn überhaupt jemand. Und die Einteilung der unangepassten Menschen in Hippies auf der einen und Punks auf der anderen Seite ist völlig sinnfrei.

 

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